Behandlungsverfahren

Schon im ersten Gespräch zwischen Patienten und Arzt können sich Hinweise auf die Ursachen des Ausbleibens einer Schwangerschaft ergeben.

Denn manchmal ist es einfach auch nur ein Zufall: Der Geschlechtsverkehr findet nicht zum richtigen Zeitpunkt statt. In diesen Fällen ist es sinnvoll, den Zyklus der Frau mittels Ultraschall- und Blutuntersuchungen zu überwachen. Ein Hinweis des Arztes auf den optimalen Zeitpunkt für Geschlechtsverkehr hat dann oft schon die gewünschten Konsequenzen!

Das Spektrum aller weiteren Behandlungsmöglichkeiten ist breit. Wir versprechen Ihnen, stets mit den „sanftesten“ Methoden für Ihre jeweilige Diagnose zu beginnen.

OVULATIONSINDUKTION

Diese Methode ermöglicht Frauen mit hormonell bedingter Unfruchtbarkeit einen normalen Eisprung und bietet ihnen die Chance einer Empfängnis auf natürlichem Weg. Durch die Gabe von Clomifencitrat und ggf. Gonadotropinen  wird die Aktivität der Eierstöcke angeregt. Für den Behandlungserfolg wesentlich ist, dass der Geschlechtsverkehr zeitlich auf den durch die Behandlung ausgelösten Eisprung abgestimmt ist. Die Überwachung der Therapie mittels Ultraschall ist zur Vermeidung von Mehrlingsschwangerschaften und eines eventuellen Hyperstimulationssyndroms (OHSS) unbedingt notwendig.

INSEMINATION (INTRAUTERINE INSEMINATION, IUI)

Bei der Insemination werden zum Zeitpunkt des Eisprunges speziell aufbereitete Spermien mittels eines dünnen Schlauches (Katheter) in die Gebärmutterhöhle oder in den Eileiter übertragen. Diese recht einfache Maßnahme wird vor allem angewendet bei einer Oligozoospermie des Mannes (zu wenige Spermien) oder bei Patientinnen, an deren Muttermund eine Operation durchgeführt worden ist.

Wird für die Insemination der Samen des Ehepartners verwendet, spricht man von „homologer Insemination“. Ist der Samen des Partners zur Befruchtung nicht geeignet, kann jedoch auch auf Wunsch auch fremder Samen verwendet werden (Samenspende). In diesem Fall bezeichnet man das Verfahren als „heterologe Insemination“.

IN VITRO FERTILISATION (IVF)

Dieses Verfahren ist das bekannteste unter den Behandlungsmethoden bei Unfruchtbarkeit. Das erste „Retortenbaby“, Louise Brown, wurde 1978 in Großbritannien geboren.

Bei der IVF werden Eizellen unmittelbar vor dem Eisprung mittels Follikelpunktion durch die Scheide entnommen und in einem Kulturgefäß (Petri-Schale, „in vitro“) mit den aufbereiteten Samenzellen des Partners zusammengebracht, um eine Befruchtung herbeizuführen. Nach zwei oder drei Tagen werden maximal drei Embryonen in die Gebärmutter der Frau eingeführt (Embryonentransfer). Indikationen für eine IVF können z. B. verklebte Eileiter oder eine Endometriose der Frau sein, aber auch eine eingeschränkte Samenqualität des Mannes.

INTRACYTOPLASMATISCHE SPERMIENINJEKTION (ICSI)

Durch die relativ neue Methode der ICSI können heute nahezu alle Arten von männlicher Zeugungsunfähigkeit behandelt werden, und früher „unfruchtbare“ Männer haben eine echte Chance, ein eigenes Kind zu zeugen. Im Gegensatz zur IVF wird bei der ICSI mittels einer hauchdünnen Glaskapillare eine einzelne Samenzelle in eine Eizelle injiziert. Sonstige Behandlungsschritte sind vergleichbar mit der IVF.

TESE / MESA

Sind bei einem Mann keine Spermien in der Samenflüssigkeit vorhanden (z.B.nach Entzündungen oder nach Sterilisation), kann mit operativen Methoden versucht werden, aus dem Hoden- oder dem Nebenhodengewebe befruchtungsfähige Samenzellen zu gewinnen.

Die mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration (MESA, operative Gewinnung von Spermien aus dem Nebenhoden) oder die testikuläre Spermienextraktion (TESE, operative Gewinnung  von Spermien aus dem Hodengewebe) wird in unserer Praxis von erfahrenen Urologen vorgenommen. Im Regelfall handelt es sich um einen kurzen, unproblematischen, ambulanten Eingriff.

Operativ entnommenes Hodengewebe eignet sich zur Kryokonservierung, d.h. zum Einfrieren. Durch die Möglichkeit des Auftauens zum Zeitpunkt der IVF-Punktion ist die andrologische Operation zeitlich unabhängig vom Zyklus der Frau grundsätzlich möglich.

ASSISTED HATCHING

Das Wort „hatching“ kommt aus dem englischen und bedeutet “schlüpfen”

Blastomere (Zellbestandteile der Embryonen) schlüpfen am ca. fünften Tag nach der Befruchtung aus ihrer Hülle, um sich in die Schleimhaut der Gebärmutter einzunisten. Da bei einigen Embryonen die Außenhaut dicker und fester ist, ist ein Schlüpfen der Blastomeren erschwert. Man beobachtet dieses gehäuft bei Patientinnen über 37 Jahre, aber auch bei jüngeren Patientinnen, die wegen der künstlichen Befruchtung mit Hormonspritzen behandelt wurden.

Um das Schlüpfen der Blastomeren zu erleichtern, wird auf Wunsch des Patientenpaares in die Zona pellucida (Außenhaut des Embryos) künstlich eine Öffnung geritzt („Sollbruchstelle“). Diese Öffnung wird in unserer Praxis unter dem Mikroskop bei ca. 400facher Vergrößerung mittels eines Lasers vorgenommen.

KRYOKONSERVIERUNG

Bei der Kryokonservierung werden lebende Zellen in flüssigem Stickstoff eingefroren. Nach dem Auftauen nehmen die Zellen ihren Stoffwechsel wieder auf. Das eingelagerte Erbgut kann über viele Jahr hinweg verwahrt werden. Die Kryokonservierung hat sich vor allem für Samenzellen und befruchtete Eizellen bewährt.

Das Einfrieren von Spermien („Social Freezing“) ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn beim Patienten eine bösartige Erkrankung (z.B. Hodentumor, Leukämie) festgestellt wurde. Um die Chance auf ein eigenes Kind auch nach einer Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung zu wahren, ist das Verfahren unbedingt anzuraten.

Vorteilhaft ist die Kryokonservierung auch für im Rahmen einer IVF- oder ICSI-Behandlung entstandenen, „überzähligen“ befruchteten Eizellen im Vorkernstadium, auch Pronucleus-Stadium (PN-Stadium) genannt. Mit aufgetauten Eizellen kann noch nach Jahren ohne erneute Stimulation/Punktion eine Schwangerschaft erzeugt werden. Die Schwangerschaftsraten aus solchen „Kryo-Zyklen“ sind mittlerweile nahezu mit denen aus „frischen“ IVF- oder ICSI-Zyklen vergleichbar.

Um auch Frauen vor Beginn einer möglicherweise fruchtbarkeitsschädigenden Behandlung (z.B. Bestrahlung, Chemotherapie) die Chance auf ein späteres eigenes Kind zu geben, werden derzeit verschiedene Kryokonservierungsmethoden entwickelt.

Umfassende Informationen zu diesem Thema erhalten Sie unter www.fertiprotekt.de.

POLARISATIONSMIKROSKOPIE

Durch die polarisationsmikroskopische Untersuchung von Eizellen in Bezug auf die Lichtbrechungseigenschaften der Eihülle (Zona pellucida) sowie des Spindelstadiums ist es möglich, den optimalen Zeitpunkt für eine Befruchtung zu erkennen.

Schwangerschafsraten können unter Anwendung dieser Methode signifikant verbessert werden.