Der Zeitablauf einer Kinderwunschbehandlung

Nach den Voruntersuchungen und der Diagnosestellung erfolgt die Behandlung nach einem auf Ihre Situation abgestimmten Schema.

Grundsätzlich laufen die einzelnen Behandlungsschritte folgendermaßen ab:

1) Down-Regulationsphase

In der zweiten Hälfte des dem vorgesehenen Behandlungszyklus vorangehenden Menstruationszyklus wird durch die Gabe sogenannter „GnRH-Analoga“ die körpereigene Bildung der für die Eierstockreifung notwendigen Hormone so weit wie möglich unterdrückt. Ziel dieser Medikamentengabe ist es, die körpereigene Produktion von Hirnanhangsdrüsen-Hormonen zu unterdrücken, da durch diese eine Störung der Eizellreifung eintreten würde. Alternativ können auch GnRH-Antagonisten während der Stimulationsphase gegeben werden (ca. ab dem 5. Stimulationstag).

2) Stimulationsphase

Ab dem dritten Tag des Behandlungszyklus wird zur Follikelstimulation täglich eine bestimmte Menge eines Hormons unter die Haut gespritzt. Nachdem Ihnen die Anwendung des Medikamentes gezeigt wurde und Sie ggf. notwendiges Zubehör von uns erhalten haben, ist es nicht mehr notwendig, dass Sie jeden Tag bei uns in der Praxis erscheinen. Stattdessen können Sie sich das Medikament bequem selbst zuhause verabreichen.

Ziel dieser Behandlung ist es, möglichst mehrere Eibläschen (Follikel) heranwachsen zu lassen, um die Erfolgschancen der Behandlung zu erhöhen.

Während der Stimulationsphase werden wir mehrere Ultraschalluntersuchungen und Blutuntersuchungen bei Ihnen durchführen, um den Reifezustand der Follikel festzustellen.

3) Auslösung des Eisprungs

Sobald die Eizellen das optimale Reifestadium erreicht haben, wird der Eisprung ausgelöst. Durch diese Maßnahme erfolgt die letzte Reifeteilung und es löst sich die Eizelle von der Follikel-Innenwand ab. Sie kann bei der Punktion mit der Follikelflüssigkeit abgesaugt werden. Die stimulierenden Hormone werden nicht weiter eingenommen. Zur Auslösung spritzen Sie sich ca. 33 Stunden vor dem vorgesehenen Punktionstermin humanes Choriongonadotropin  (hCG) unter die Haut. Diese Spritze können Sie sich ebenfalls selbst verabreichen.

4) Follikelpunktion

Bei einer IVF- oder ICSI-Behandlung werden morgens unter einer leichten Vollnarkose (bitte deshalb nüchtern erscheinen) in unserer Praxis die Eizellen aus den Follikeln entnommen. Dies geschieht mittels einer speziellen Punktionsnadel, die durch die Scheide geführt wird. Der Eingriff wird mittels Ultraschall überwacht. Nach der Punktion verbleiben Sie für eine kurze Zeit zur Überwachung in unserem Aufwachraum. Nach ca. 2 Stunden können Sie nach Hause gehen und werden für insgesamt drei Tage krankgeschrieben.

5) Samenaufbereitung

Etwa zum Zeitpunkt des Eisprungs bitten wir Ihren Partner um eine Samenprobe. Informationen zur Samengewinnung finden Sie unter dem Stichwort „Spermiogramm“. Der Samen wird für die weitere Behandlung von uns mittels Zentrifugation aufbereitet.

6) Laborphase

Bei einer IVF- oder ICSI-Behandlung wird in unserem Labor die der jeweiligen Methode entsprechende Vereinigung von Eizellen und Samenzellen vorgenommen. Am folgenden Tag wird untersucht, ob die Eizellen Vorkerne gebildet haben. Dieses Entwicklungsstadium wird das „ProNucleus-Stadium“, kurz: „PN-Stadium“,  genannt. Die PN-Stadien werden nun nach ihrem Aussehen beurteilt. Maximal drei von ihnen dürfen bis zum nächsten Tag weiter im Brutschrank reifen. Wenn Sie es wünschen, können überzählige PN-Stadien tiefgefroren (kryokonserviert) und für eventuelle spätere Zyklen aufbewahrt werden. Andernfalls sind wir gesetzlich verpflichtet, die überzähligen Eizellen zu vernichten. Sobald die Eizellen aus 2-4 Zellen bestehen, werden sie in die Gebärmutterhöhle zurückgeführt.

7) Embryotransfer

Die Rückführung in die Gebärmutter erfolgt am zweiten oder dritten Tag nach der Punktion. Dazu wird ein dünner, biegsamer Kunststoffkatheter vorsichtig durch die Scheide in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Eine volle Blase der Patientin erleichtert den Eingriff! Der Transfer verläuft im Regelfall schmerzlos. Nach einer kurzen Ausruh-Phase können Sie nach Hause gehen. Größere körperliche Belastungen sollten Sie nach dem Transfer möglichst vermeiden.