Medikamente

Für eine IVF- oder ICSI-Behandlung werden verschiedene Medikamente benötigt, deren fehlerfreie Einnahme Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist. Zu einem großen Teil können Sie sich die Medikamente nach entsprechender Einweisung durch uns selbst verabreichen. Durch die Selbstanwendung reduzieren Sie Ihren Zeitaufwand beträchtlich, da zusätzliche Arztbesuche nicht erforderlich sind. Außerdem müssen die Medikamente an Wochenenden durchgehend angewendet werden und einige Medikamente erst am späten Abend verabreicht werden, so dass durch die Selbstanwendung diese Schritte erleichtert werden. Die Darreichungsform der Medikamente ist unterschiedlich – je nach Produkt stehen Tabletten, Spritzen und Zäpfchen zur Verfügung.

Folgende Wirkstoffe kommen bei einer Kinderwunschbehandlung im Regelfall zum Einsatz:

Clomifen

Clomifen führt im Hypothalamus (Teil des Zwischenhirnes) zu einer Ausschüttung von GnRH, wodurch die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) dazu angeregt wird, vermehrt follikelstimulierendes Hormon (FSH) auszuschütten. Hierdurch wird in der Regel sehr zuverlässig eine Eizellreifung an den Eierstöcken ausgelöst.

Das Medikament kommt sehr frühzeitig im Zyklus zum Einsatz und wird überwiegend bei „einfachen“ Therapieverfahren, vor allem bei einer Stimulation des Eierstockes mit oder ohne Samenübertragung, verwendet.

Ultraschallkontrollen vor und während des Stimulationszyklus sind unbedingt zu empfehlen, vor allem zur Kontrolle der Anzahl der Eibläschen und der Feststellung des Eisprungzeitpunktes. Inbesondere bei reinen Stimulationszyklen (ohne Eizellentnahme) ist die Kontrolle extrem wichtig, um eine Mehrlingsschwangerschaft möglichst zu verhindern.

GnRH-Analoga und GnRH-Antagonisten

Beide Substanzen blockieren auf unterschiedliche Weise die Hypophyse und verhindern so den vorzeitigen Eisprung. So ist es uns möglich, den Eisprung exakt zum gewünschten Termin mit hCG-Gaben auslösen zu können.

Im Gegensatz zu den „neueren“ GnRH-Antagonisten, deren Wirkung sofort eintritt, benötigen die schon seit längerem verwendeten GnRH-Analoga eine gewisse Vorlaufzeit, um die gewünschte Wirkung zu erreichen.

Eventuelle Nebenwirkungen der GnRH-Analoga ähneln den typischen Wechseljahresbeschwerden (Hitzewallungen, Kopfschmerzen, Depressionen u.a.), treten aber in der Regel nur selten auf und verschwinden auch bald wieder.

Gonadotropine (FSH, LH)

Das follikelstimulierende Hormon (FSH)bewirkt eine Stimulation der Eierstöcke mit verstärktem Follikelwachstum und Eizellreifung. In welchem Maße die Eierstöcke auf die Gabe von FSH ansprechen, ist individuell sehr unterschiedlich. Eine regelmäßige Kontrolle per Ultraschall ist zur Vermeidung von Mehrlingsschwangerschaften und eines Überstimulationssyndroms unabdingbar.

FSH wird in der Regel nur noch biotechnologisch hergestellt. Dieses auch „rekombinant“ genannte FSH ist somit hochrein. Die Verabreichung erfolgt durch Injektion (Spritzen).

Zur ergänzenden Wirkung von FSH kann in einigen Fällen die Gabe vonluteinisierendem Hormon (LH) angezeigt sein. Auch dieses Hormon wird inzwischen biotechnologisch hergestellt und durch Spritzen verabreicht.

Humanes Menopausengonadotropin (hMG) enthält sowohl FSH und LH.

Das humane Choriongonadotropin (hCG) ist das Schwangerschaftshormon, das zur Auslösung des Eisprungs verwendet wird (Auslöse-Spritze) sowie zur Unterstützung der Gelbkörperphase. HCG ist das Haupthormon der Plazenta (des Mutterkuchens). LH und hCG sind in ihrer Wirksamkeit sehr ähnlich. Durch die Gabe von hCG wird der natürliche Anstieg des LH imitiert und somit der Eisprung kontrolliert. Unter der Wirkung von hCG erfolgt die letzte sogenannte Reifeteilung der Eizellen, die damit befruchtungsfähig werden. Bevor allerdings der Eisprung erfolgt, wird die Follikelpunktion zur Gewinnung der Eizellen durchgeführt

Auch dieses Medikament steht ausschließlich zur Injektion zur Verfügung

Progesteron

Progesteron (Gelbkörperhormon) wird nach dem Eisprung, also in der zweiten Zyklushälfte, am Eierstock im Corpus luteum (Gelbkörper) produziert. Es stimuliert das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und bereitet sie somit auf die Einnistung vor. Die vaginale Anwendung per Zäpfchen oder Gel beginnt am Tag vor der Punktion und wird bis zum Tag des Schwangerschaftstestes fortgeführt, im Falle des Vorliegens einer Schwangerschaft auch darüber hinaus.